Controlling

Gastronomie Controlling: Was du täglich, wöchentlich und monatlich messen musst

19. März 2026 9 Min. Lesezeit Sven Schneider

45 Minuten. Jeden Morgen. Drei Systeme öffnen, Zahlen raussuchen, in Excel tippen, mit dem Vortag vergleichen. Dann das Ganze für jeden Standort wiederholen.

So sah mein Morgen aus, als ich 10 Mama Trattoria Standorte in Hamburg betrieben habe. Das Problem war nicht, dass mir Zahlen fehlten. Ich hatte zu viele — in zu vielen Systemen, mit zu viel Verzögerung. Controlling war ein Monatsend-Ritual, kein Steuerungsinstrument.

Dieser Artikel zeigt dir, welche Kennzahlen du in welchem Rhythmus brauchst. Nicht alles auf einmal, sondern nach dem Prinzip: täglich die Abweichungen erkennen, wöchentlich die Muster verstehen, monatlich die Stellschrauben drehen.

Inhaltsverzeichnis


Warum der Rhythmus wichtiger ist als die Anzahl der KPIs

Die meisten Gastronomen, die ich kenne, kennen ihre Kennzahlen. PK-Quote, Wareneinsatz, Durchschnittsbon — die Begriffe sitzen. Das Problem ist nicht das Wissen. Das Problem ist der Zeitpunkt.

Wer seine PK-Quote erst mit der BWA am Monatsende sieht, steuert nicht. Der dokumentiert. Die Zahlen sind dann 3 bis 4 Wochen alt. Du kannst analysieren, warum es schlecht lief. Aber du kannst nichts mehr ändern.

Der Unterschied zwischen einem Betrieb, der reagiert, und einem, der steuert: der Rhythmus, in dem Zahlen ankommen.

Controlling-Rhythmus: Tägliche Abweichungen, wöchentliche Muster, monatliche Steuerung

Drei Ebenen, drei Fragen:

Rhythmus Frage Reaktionszeit
Täglich Stimmt heute etwas nicht? Stunden
Wöchentlich Gibt es ein Muster? Tage
Monatlich Müssen wir strukturell etwas ändern? Wochen

Die täglichen 5: Was du jeden Morgen sehen musst

Nicht 20 Kennzahlen. Fünf. Mehr brauchst du morgens nicht, wenn die richtigen dabei sind.

1. Umsatz vs. Vorjahr/Vorwoche

Der Umsatz von gestern allein sagt wenig. Erst im Vergleich entsteht Information. War der Montag schwächer als letzte Woche? Lag es am Wetter, an einem Feiertag, oder fehlt ein Trend?

Vergleiche immer mit dem gleichen Wochentag — nicht mit dem Vortag. Ein Montag hat andere Rahmenbedingungen als ein Samstag.

2. Personalstunden vs. Umsatz

Die absoluten Personalstunden sind weniger aussagekräftig als das Verhältnis zum Umsatz. 80 Stunden am Dienstag bei 3.000 Euro Umsatz sind zu viel. 80 Stunden am Samstag bei 12.000 Euro können zu wenig sein.

Die Kennzahl dafür heißt Umsatz pro Arbeitsstunde (UPA): Nettoumsatz geteilt durch geleistete Arbeitsstunden. Liegt der Wert unter deinem Konzept-Benchmark, war der Tag überbesetzt.

3. Durchschnittsbon

Springt der Durchschnittsbon plötzlich nach unten, kann das auf mehrere Dinge hindeuten: Servicekräfte bieten keine Zusatzverkäufe an, eine Aktion zieht die falschen Gäste, oder der Produktmix verschiebt sich.

Ein schleichender Rückgang über Wochen ist gefährlicher als ein einzelner schwacher Tag. Genau deshalb brauchst du die tägliche Zahl — damit du den Trend siehst, bevor er zum Problem wird.

4. Stornoquote

Stornos über 2% sind ein Warnsignal. Entweder stimmt etwas an der Kasse nicht (Fehlbedienung), an der Küche (Reklamationen) oder am Prozess (falsche Bestellungen). Die Stornoquote ist eine der am meisten unterschätzten Tages-KPIs.

5. Abweichungen und Anomalien

Alles, was vom erwarteten Muster abweicht. Ein Standort, der plötzlich 20% unter Plan liegt. Ein Wareneinsatz, der an einem Tag ausreißt. Diese Signale brauchst du morgens, nicht am Monatsende.

Die täglichen 5 KPIs: Umsatz, UPA, Durchschnittsbon, Stornoquote, Anomalien im Dashboard-Überblick

Wie lange darf das dauern?

Maximal 5 Minuten. Wenn du morgens länger als 5 Minuten brauchst, um die Tagesperformance aller Standorte zu überblicken, stimmt etwas am Setup nicht. Entweder sind die Daten in zu vielen Systemen verteilt, oder die Aufbereitung fehlt.


Der Wochenvergleich: Muster erkennen, bevor es zu spät ist

Tägliche Zahlen zeigen Abweichungen. Wöchentliche Vergleiche zeigen Muster. Und Muster sind das, worauf du deine Entscheidungen baust.

PK-Quote pro Standort

Die Personalkostenquote ist keine Monatszahl. Wer sie wöchentlich trackt, sieht in welchen Standorten die Planung stimmt und in welchen nicht.

Ein Standort mit einer PK-Quote von 32% in der einen Woche und 28% in der nächsten hat kein Personalproblem. Er hat ein Planungsproblem. Die Besetzung reagiert nicht auf Umsatzschwankungen.

Wareneinsatz pro Standort

Gleiche Logik wie bei der PK-Quote. Der Wareneinsatz schwankt wöchentlich stärker als die meisten denken. Die Frage ist: schwankt er mit dem Umsatz (normal) oder unabhängig davon (Problem)?

Ein Wareneinsatz, der bei steigendem Umsatz überproportional steigt, deutet auf Schwund, Portionskontrolle oder Einkaufsprobleme hin.

Standort-Ranking

Welcher Standort performt diese Woche am besten, welcher am schlechtesten? Nicht nach absolutem Umsatz — der hängt an der Lage. Sondern nach Effizienz: UPA, PK-Quote, Durchschnittsbon.

Das Ranking zeigt dir, wo du hinschauen musst. Nicht um zu bestrafen. Sondern um zu verstehen, was die guten Standorte anders machen.

Wöchentlicher Standort-Vergleich: PK-Quote, UPA und Durchschnittsbon über 3 Standorte


Monatscontrolling: BWA richtig lesen und handeln

Die BWA kommt vom Steuerberater. Meistens 3 bis 4 Wochen nach Monatsende. Die Zahlen sind genau, aber alt.

Trotzdem hat die BWA ihren Platz. Sie zeigt Positionen, die im Tages- und Wochenrhythmus nicht sichtbar sind: Miete, Versicherungen, Abschreibungen, Zinsen. Und sie gibt dir das offizielle Bild deiner Profitabilität.

Die 4 BWA-Positionen die Gastronomen zuerst anschauen sollten

Position Was sie zeigt Richtwert
Personalaufwand (Konto 6000-6099) Gesamte PK-Quote 28-35% je nach Konzept
Wareneinsatz (Konto 5000-5099) Material- und Wareneinsatz 25-32% je nach Konzept
Prime Cost (Personal + Waren) Größte Kostenblöcke zusammen Unter 60%
Betriebsergebnis Was am Ende bleibt 8-15%

Prime Cost als Monatsziel

Wenn du eine Zahl aus der BWA als Steuerungsgröße wählen musst: die Prime Cost. Personalkosten plus Wareneinsatz, geteilt durch Nettoumsatz.

Liegt sie unter 60%, ist dein Betrieb auf gutem Kurs. Liegt sie über 65%, bleibt zu wenig für Miete, Investitionen und Gewinn. Zwischen 60% und 65% ist Handlungsbedarf, aber kein Notfall.

Die BWA sagt dir, ob dein Monat profitabel war. Tages- und Wochenzahlen sagen dir, ob der nächste Monat es auch wird.


Praxis: Wie ein 8-Standort-Betrieb seinen Rhythmus gefunden hat

Ein Casual-Dining-Konzept mit 8 Standorten und 12 Mio. Euro Jahresumsatz. Das Controlling bestand aus einer monatlichen BWA-Besprechung mit dem Steuerberater und einer Excel-Tabelle, die der Geschäftsführer morgens mit Kassendaten fütterte.

Die Ausgangslage

  • Kein tägliches Reporting über alle Standorte
  • PK-Quote bekannt, aber nur als Monatswert
  • Abweichungen wurden erst bei der BWA-Besprechung sichtbar
  • Kein Standort-Ranking, kein systematischer Vergleich
  • Zeitaufwand für Zahlenbeschaffung: 45-60 Minuten pro Tag

Was sich in 3 Monaten geändert hat

Woche 1-2: Tägliches Dashboard mit den 5 KPIs eingeführt. Der Zeitaufwand morgens sank von 45 Minuten auf 5 Minuten. Nicht weil weniger analysiert wurde, sondern weil die Daten nicht mehr manuell zusammengesucht werden mussten.

Woche 3-4: Wöchentliche PK-Quote pro Standort sichtbar. Sofortiger Effekt: Zwei Standorte hatten systematisch 3-4 Prozentpunkte höhere PK-Quoten als der Rest. Ursache: feste Wochenpläne, die nicht auf Tagesumsätze reagierten.

Monat 2-3: Umsatzbasierte Dienstplanung in allen 8 Standorten. PK-Quote von 33,1% auf 30,8% gesenkt.

2,3 Prozentpunkte bei 12 Mio. Euro Umsatz: 276.000 Euro mehr Ergebnis pro Jahr.

Der Steuerberater-Termin existiert noch. Aber er ist jetzt eine Bestätigung, nicht eine Überraschung.


Die 3 häufigsten Controlling-Fehler

Fehler 1: Zu viele Kennzahlen auf einmal. 20 KPIs morgens anschauen bringt weniger als 5 richtige. Wer alles trackt, erkennt keine Muster. Starte mit den täglichen 5 und baue von dort aus.

Fehler 2: Daten ohne Vergleich. Ein Umsatz von 8.000 Euro sagt nichts. 8.000 Euro versus 10.000 Euro Vorjahreswoche sagt alles. Jede Zahl braucht einen Kontext. Vorjahr, Vorwoche, Plan oder Benchmark.

Fehler 3: Controlling als Vergangenheitsbewältigung. Wenn du Zahlen nur anschaust, um zu erklären was schiefgelaufen ist, steuerst du nicht. Du dokumentierst. Controlling muss nach vorne gerichtet sein: Was muss ich diese Woche anders machen?


FAQ

Welche KPIs sind die wichtigsten im Gastronomie Controlling?

Täglich: Umsatz vs. Vorjahr, UPA (Revenue per Labor Hour), Durchschnittsbon, Stornoquote und Anomalien. Wöchentlich: PK-Quote und Wareneinsatz pro Standort. Monatlich: Prime Cost und Betriebsergebnis aus der BWA. Die Auswahl hängt vom Konzepttyp ab, aber diese 9 Kennzahlen decken 80% der Steuerungsbedarfe ab.

Wie oft sollte ich meine Zahlen anschauen?

Täglich 5 Minuten für die Tages-KPIs. Wöchentlich 15 Minuten für den Standortvergleich. Monatlich 30 Minuten für die BWA-Analyse. Wer mehr Zeit braucht, hat ein Tooling-Problem, kein Controlling-Problem.

Reicht eine BWA für gutes Controlling?

Nein. Die BWA zeigt die Vergangenheit mit 3-4 Wochen Verzögerung. Für operative Steuerung brauchst du Tages- und Wochendaten aus Kasse und Personalplanung. Die BWA ergänzt das monatliche Bild, aber sie ersetzt kein operatives Controlling.

Was kostet ein Controlling-Dashboard für die Gastronomie?

Die Spanne reicht von kostenlosen Excel-Vorlagen bis zu professionellen BI-Tools. Professionelle Gastronomie-Dashboards kosten typischerweise 100 bis 200 Euro pro Standort und Monat. Die Frage ist nicht, ob du dir ein Dashboard leisten kannst. Die Frage ist, ob du dir die 45 Minuten manuelle Arbeit jeden Morgen leisten willst.

Brauche ich ein Dashboard ab dem ersten Standort?

Ab dem ersten Standort brauchst du ein System. Das kann Excel sein. Ab 3 Standorten wird Excel unpraktisch. Ab 5 Standorten ist ein automatisiertes Dashboard kein Luxus, sondern Voraussetzung, um den Überblick zu behalten.


Deine nächsten Schritte

PK-Rechner — Berechne deine echte Personalkostenquote mit allen Nebenkosten. Der häufigste Fehler: nur Bruttolöhne einsetzen.

Personalkostenquote in der Gastronomie — Unser ausführlicher Artikel zu Berechnung, DEHOGA-Benchmarks und 5 Hebeln zur Optimierung.

15 Minuten, die sich lohnen. Du willst sehen, wie tagesaktuelles Controlling für deine Standorte konkret aussieht? Schreib mir — ich zeige es dir an echten Daten.


Quellen


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GastroSight Dashboard

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Was du hier gelesen hast, macht GastroSight automatisch — täglich, für jeden Standort, ohne dass du etwas zusammensuchen musst.

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